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Aci Trezza und Aci Castello

Aci Trezza und Aci Castello

Entlang der sizilianischen Ostküste, am Fuß des höchsten aktiven Vulkans Europas, liegt die sogenannte Zyklopenküste. Wir befinden uns hier nur wenige Kilometer nördlich der Stadt Catania, welche auch als die schwarze Tochter des Ätnas bezeichnet wird. Diesen Namen erhielt sie, nachdem sie vom Ausbruch von 1669 umzingelt und vom Erdbeben von 1693 komplett zerstört wurde und fast vollständig im Barockstil, aus schwarzem Basalt, wiedererrichtet wurde.

An dieser Küste liegen mehrere kleine Fischerdörfer wie zum Beispiel Aci Trezza und Aci Castello. Aber warum wird diese östliche Küste auch als Zyklopenküste bezeichnet? Wer waren die Zyklopen und wo lebten diese?

Die Legende von Polyphem

Da müssen wir auf Homer zurückkommen und auf die, von ihm in der Odyssee beschriebenen, Legende nach welcher sich Odysseus als Gefangener in der Höhle des Zyklopen Polyphem wiederfindet. Dieser Riese, mit nur einem einzigen Auge in der Mitte der Stirn, lebte auf dem Ätna und arbeitete in der Schmiede des Feuergottes Hephaistos, welcher auch mit dem lateinischen Namen Vulcano bezeichnet wird. Odysseus schaffte es nur dank einer List aus der Gefangenschaft auszubrechen. Auf der Flucht Richtung Küste schleuderte Polyphem Lavablöcke nach dem Helden, da er dem Zyklopen das einzige Auge ausgestochen und ihn verhöhnt hatte.

Diese Lavablöcke trafen jedoch nicht Odysseus und fielen ins Meer, nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt, und werden heute als die Faraglioni von Aci Trezza bezeichnet.

So schrieb es Homer nieder, aber die geologische Erklärung ist etwas anders.

Der geologische Ursprung der Faraglioni von Aci Trezza

Vor ca. 570.000 Jahren gab es den Ätna als solchen noch nicht und dort wo sich heute der Vulkan befindet war nur eine große Bucht, der sogenannte pre-ätnensische Golf. Während der Aktivität der Unterwasservulkane kam vulkanisches Material an die Meeresoberfläche und dies führte zur Bildung von Lavakissen und Basaltsäulen.

Das gesamte Meeresgebiet vor dem Städtchen Aci Trezza steht heute unter Naturschutz, mit dem Namen „Geschütztes Meeresgebiet der Insel der Zyklopen“. Das gesamte Naturschutzgebiet Insel Lachea und Faraglioni von Aci Trezza geht von Capo Mulini, im Norden, bis Aci Castello, im Süden.

Aci Castello

Der Nachbarort Aci Castello ist für eine Festungsanlage aus dem 12. Jh. bekannt, welche wahrscheinlich auf den Ruinen einer schon existierenden Festung gebaut wurde, die aus byzantinischer Zeit und noch vorher, aus römischer Zeit, stammt. Sie befindet sich auf einem ca. 20 Metern hohen Lavafelsen, der eine sehr interessante geologische Formation darstellt, charakterisiert durch Lavakissen (pillows). Im Inneren der Festung befindet sich ein kleines Stadtmuseum und ein kleiner botanischer Garten, und ohne Zweifel wird der Aufstieg mit einem unglaublichen Blick über die Küste belohnt.

Die Legende von Aci

Neben diesen beiden Dörfern tragen noch einige andere Dörfer am Fuße des Ätna den Namen Aci in ihrer Bezeichnung (Acireale, Aci Catena, Aci Sant’Antonio, …). Wer oder was war also Aci?

Die Antwort darauf liefert und eine Legende aus der griechischem Mythologie.

Der eigentliche Name war Akis, ein junger Hirte, der in die Nymphe Galathea verliebt war, aber leider gab es einen Nebenbuhler, den Zyklopen Polyphem. Dieser wusste sehr wohl, dass Galathea seine Liebe nicht erwiderte. Das war der Grund weshalb er Akis mit einem riesigen Lavablock erschlug, in der Hoffnung Galathea würde sich ihm zuwenden.

Aber die Reaktion der Nymphe war anders als erwartet. Als die Nymphe erfuhr, dass der Zyklop ihren Geliebten erschlugen hatte, weinte sie alle Tränen, die sie hatte. Die Götter hatten Mitleid mit ihr und verwandelten Akis in einen Fluss. So konnte die Nymphe für die Ewigkeit mit ihrem Geliebten zusammenleben.

Sämtliche Dörfer und Städte entlang des Flusses haben den Namen Akis übernommen, der im Lauf der Zeit in Aci umgewandelt wurde.

Der Fluss fließt heute unterirdisch, da er durch verschiedene Ausbrüche des Ätnas von Lavaflüssen bedeckt wurde. Gelegentlich bei starkem Regen kommt irgendwo der Fluss wieder aus der Erde und für die Einheimischen ist es Akis, der sich an der Erdoberfläche zeigt.

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